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Die Größe entscheidet mit! Statistische Befunde zur Wärmeplanung in Deutschlands Kommunen

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Die kommunale Wärmeplanung wird in der öffentlichen Debatte häufig mit urbanen Strukturen und dem Ausbau zentraler Wärmenetze verbunden. Die Auswertung abgeschlossener kommunaler Wärmeplanungen zeigt jedoch, dass diese Perspektive zu kurz greift. Die Ausgestaltung zukünftiger Wärmeversorgungssysteme hängt in hohem Maße von der Größe, Struktur und den bestehenden Infrastrukturen der jeweiligen Kommune ab.

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Ein Blick auf die kommunale Struktur in Deutschland verdeutlicht eine zentrale Ausgangslage: Während sich ein erheblicher Teil des Wärmebedarfs auf größere Städte konzentriert, lebt der größte Teil der Bevölkerung in mittleren Städten, und die Mehrheit der Kommunen gehört zur Gruppe der kleinen Gemeinden. Die kommunale Wärmeplanung muss daher sehr unterschiedliche räumliche, infrastrukturelle und organisatorische Voraussetzungen berücksichtigen.

Die Auswertung der Wärmepläne zeigt über alle Gemeindegrößen hinweg eine ausgeprägte Pfadabhängigkeit: Kommunen mit bestehenden Wärmenetzen planen überwiegend deren Ausbau oder Transformation, während Gemeinden ohne entsprechende Infrastruktur deutlich seltener den Neubau zentraler Netze vorsehen. Die geplanten Zielbilder spiegeln damit in hohem Maße die vorhandenen Versorgungsstrukturen wider.

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Großstädte bauen ihre zukünftige Wärmeversorgung nahezu durchgängig auf bestehenden zentralen Wärmenetzen auf. Hohe Wärmedichten, kompakte Siedlungsstrukturen und vorhandene Netzinfrastrukturen begünstigen den Ausbau und die Umstellung dieser Systeme auf erneuerbare Wärmequellen und Abwärme. Dezentrale Lösungen spielen überwiegend eine ergänzende Rolle. Die Zielbilder der Wärmeplanung sind in dieser Kommunengruppe vergleichsweise homogen und eng an bestehende Strukturen gekoppelt.

Mittlere Städte verfolgen überwiegend hybride Wärmeversorgungsstrategien. Zentrale Wärmenetze sind hier meist auf verdichtete Teilräume begrenzt, während in weniger dichten Quartieren dezentrale Lösungen dominieren. Im Vergleich zu Großstädten ist der geplante Anteil zentraler Wärmeversorgung geringer und weist eine deutlich höhere Streuung auf. Mittlere Städte zeigen die größte Varianz in ihren Zielbildern – von punktuellem Netzausbau bis hin zu weitgehend dezentralen Versorgungsstrategien. Da ein erheblicher Teil der Bevölkerung in dieser Kommunengruppe lebt, kommt den hier entwickelten Lösungen eine besondere Bedeutung für die gesamtgesellschaftliche Wirkung der Wärmewende zu.

Kleine Gemeinden sind überwiegend durch dezentrale Wärmeversorgungsstrategien geprägt. Geringe Wärmedichten, große Gebäudeabstände und das Fehlen bestehender Netzinfrastrukturen machen den Ausbau zentraler Wärmenetze in der Fläche meist unwirtschaftlich. Stattdessen greifen die Wärmepläne häufig auf lokal verfügbare erneuerbare Energiepotenziale zurück, etwa Biomasse, Umweltwärme oder Geothermie. Auffällig ist zudem der hohe Stellenwert interkommunaler Kooperationen sowie gemeinschaftlicher Umsetzungsansätze, etwa im Rahmen von Konvois oder gemeinsamen Projekten. In kleinen Gemeinden spielt darüber hinaus die gesellschaftliche Akzeptanz der Wärmeplanung eine besondere Rolle, da deren Wirksamkeit stark von sichtbaren, lokal anschlussfähigen Umsetzungsprojekten abhängt.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die kommunale Wärmeplanung in Deutschland kein einheitliches Zielmodell verfolgt. Vielmehr bildet sie eine Vielzahl differenzierter, an lokale Rahmenbedingungen angepasster Versorgungsstrategien ab. Mit zunehmender Bedeutung für Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz entwickelt sich die Wärmeplanung dabei zu einem zentralen Instrument kommunaler Daseinsvorsorge und Resilienz.

Lucca Güldner & Kersten Roselt, EnergieWerkStadt® eG


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„Wärmeplanung und energetisch-ökologische Transformation im ländlichen Raum“

 

 

 

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